Antwort aus Stollhamm
Posted by roje on 19th März and posted in Allgemein
Uta Meiners, die Elternvertreterin des Kindergartens Stollhamm hat uns eine Antwort auf unseren Leserbrief zukommen lassen, die für einen direkten Kommentar zu lang ist und darum hier jetzt einen eigenen Platz bekommt.
Wir sind weiterhin überzeugt, dass der Erhalt von zwei Grundschulen unser aller Kindern und Butjadingen guttut. Nur so werden wir auf Dauer kleine Klassen und die geringstmögliche Belastung der Kinder durch Busfahrten haben. Aus unserer Sicht sind einzügige wohnortnahe Schulen vorzuziehen.
Zu Euren Punkten (in rot) kommen hier einige Anmerkungen, die wir später gerne noch ergänzen können:
- Die “Kombiklasse” (Schüler der 1. und 2. Klasse und voraussichtlich später auch der 3. und 4. Klasse werden gemeinsam von einer Lehrkraft unterrichtet) würde in Stollhamm auch bei veränderten Schulbezirken kommen. Das bedeutet, dass trotz der Tossenser und Eckwarder Kinder in Stollhamm laut Aussage von Herrn Wulf lediglich eine Kombiklasse 1 und 2 , nicht aber eine eigenständige Klasse 1 entstehen würde!Nach meinen Informationen würde das Stollhammer Kind, das derzeit in St. Willehad angemeldet ist, bei einem Erhalt der Stollhammer Schule dort eingeschult. Außerdem soll ein weiteres Kind aus Mitteldeich im Mai/Juni in die derzeitige 1. Klasse eingeschult werden. Damit wird 2011/12 eine Kombiklasse unwahrscheinlich.In den Folgejahren 2012/2013 ist das Thema sowieso nicht akut, weil Eckwarden, Stollhamm und Tossens dann zusammen 22 bzw. 18 Schüler haben.Kombiklassen werden ja sehr gerne negativ dargestellt. Wie kommt es dann, dass altersübergreifender Unterricht das ist, was die Grundschullehrer heute im Studium als Standardmethode lernen? In Bergisch Gladbach, wo mein Patenkind und Uwes Nichten und Neffen wohnen, melden die Eltern ihre Kinder nur noch auf Grundschulen mit jahrgangsübergreifenden Klassen an. Die sind dort total überlaufen. Meine eigenen Nichten und Neffen aus Bützow waren in einer Zwerggrundschule (sogar mit drei Jahrgängen zusammen) und gehen jetzt trotzdem (oder gerade deswegen) erfolgreich aufs Gymnasium in Rostock. Übrigens sind die von der Gemeinde vorgestellten Schülerzahlen grundsätzlich immer mit Vorsicht zu genießen. Mit Datum 20.05.2010 wurde dem Schulausschuss eine Unterlage vorgelegt, wonach für die Einschulung im August 2010 für die VGS Burhave 47 Schüler angemeldet seien, in Stollhamm 17, also insgesamt 64! Eine Woche später gab es die Information, es seien 37 in Burhave und 12 in Stollhamm. Tatsächlich eingeschult wurden 34 in Burhave und 13 in Stollhamm, also insgesamt 47! Jeder kann sich seine eigenen Gedanken machen, wie es zu solch’ einer Entwicklung kommen konnte. Nur soviel: “Kann-Kinder” und Wegzüge sind nicht die Erklärung für den plötzlichen Verlust von 17 Kindern in einem Jahrgang.
- Im Gegenzug würde sich bei einer Erweiterung des Schuleinzugsgebietes für Stollhamm die Zahl der Einschüler in Burhave so stark verringern, dass es dort dann nur noch eine 1. Klasse mit ca. 26 – 27 Schülern gäbe.Die Einschulungen für Burhave wären 2011: 26, 2012: 23 und 2013: 15 (ich zitiere immer die von Herrn Wulf im AK vorgestellten Zahlen).
Dagegen würde die Schule in Burhave bei Beibehaltung der Einzugsgebiete auch weiterhin zweizügig bleiben. Dort würde es zwei zukünftige 1. Klassen a 16 / 17 Schüler geben. Bei Einschulung der Stollhammer Kinder in Burhave wären es dann zwei gleich große Klassen a 18 / 19 Kinder.Wenn wir in den Jahren 2013 ff jährlich nur insgesamt 33 Kinder zur Einschulung anstehen haben und die Stollhammer Eltern ihre Kinder teilweise zu St. Willehad schicken oder gar wegziehen (aktuell betrifft diese Überlegung ganz konkret mindestens 6 Kinder von 0 bis 4 Jahren), dann wird es in Burhave in einem Gebäude mit 16 Klassenräumen eine einzügige Schule mit extrem großen Klassen geben. Im Jahr 2009 wurden in Butjadingen ja nur 29 Kinder geboren (Anmerkung am Rande: Die Schule in Burhave kostet ca. 130.000 EUR pro Jahr, die Stollhammer ca. 35.000 EUR). Ich kenne zwei Familien (mit fünf Kindern), die im vergangenen Jahr nicht nach Stollhamm gezogen sind, weil sie durch die Diskussion um die Zukunft der Schule in dem Ort keine Zukunft sahen. Eine dieser Familien hat sich dann für Burhave entschieden, die andere ist für Butjadingen verloren. - Die Erweiterung des Stollhamer Einzugsgebiets auf Tossens und Eckwarden wäre keine Dauerlösung – vielmehr würden die Einzugsgebiete nach Auskunft von Herrn Wulff regelmäßig an die Erfordernisse angepasst!Eine regelmäßige Anpassung von Einzugsgebieten wurde im Arbeitskreis Grundschulen gar nicht besprochen, stellt also eine persönliche Meinung von Herrn Wulf dar.Damit wären auf lange Sicht nicht nur Eckwarden und Tossens betroffen, sondern später könnten auch Ruhwarden, Langwarden und Waddens dazu gehören. Langfristig könnte diese ‘regelmäßige Anpassung’ sogar dazu führen, dass selbst Grundschulkinder aus einer Familie in verschiedenen Orten beschult werden!
Wir Eltern der Kinder im Kindergarten Tossens favorisieren die Option einer zentralen, attraktiven und gesicherten Grundschule in Burhave, denn nur diese Lösung kann eine Zweizügigkeit bei kleinen Klassenstärken und ohne Kombiklassen auch auf längere Sicht sicherstellen.
Die Grundschule in Burhave ist weder zentral noch attraktiv und gesichert. Deshalb favorisieren wir Eltern der Stollhammer Kinder die Grundschule in Stollhamm und sind überzeugt, dass die Eltern aus Tossens und Eckwarden ihren Kindern was Gutes tun, wenn sie sich für diese Schule entscheiden. Obwohl die Grundschule in Burhave seit langem mehrzügig ist, hat die einzügige Stollhammer Grundschule ein viel besseres Angebot entwickelt:
Hausaufgabenbetreuung,
AGs wie Voltigieren, Kochen, Basteln, Boßeln etc.,
Brückenjahr,
Klasse! Wir singen,
Forum,
Lesemütter,
Grünes Klassenzimmer
usw.
Lehrer, die sowohl die Stollhammer, als auch die Burhaver Schule kennen, berichten von dem tollen und menschlichen Klima in Stollhamm und der guten Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrern. Es gibt auch eine Lehrkraft, die gerne Schulleiter würde, sich bereits bei Frau Bier-Wißmann gemeldet hat und den bisherigen Kurs der Schule fortführen will, einschließlich Nachmittagsbetreuung etc..
Dass es nach der Übernahme der kommissarischen Leitung der Stollhammer Schule durch Herrn Zappe am 1. Februar zu Problemen kam, hat sehr viel damit zu tun, dass er diesen Job so nicht wollte und die Lehrer in Stollhamm total verunsichert sind, weil nichts geregelt war. Inzwischen hat sich das wieder eingespielt, eine Feuerwehrkraft hat den Unterricht für die länger erkrankte Lehrerin aufgenommen. Eine solche Situation (die es in den vergangenen vierzig Jahren nicht gegeben hat) dass gleichzeitig zwei Lehrer ernsthaft krank werden, würde auch in Burhave zu Problemen führen. Auch dort würden die Pädagogischen Mitarbeiter den Unterrichtsausfall durch einen erkrankten Fachlehrer nicht kompensieren können. Sie sind schließlich keine Lehrer und nur als Betreuer und Förderer vorgesehen.
Zudem gäbe es bei einer größeren Schule auch mehr Lehrerstunden, eine größere Anzahl verschiedenen Fachlehrkräfte und durch die bessere Ausstattung mit Lehrkräften nicht zuletzt auch eine wesentlich bessere Auffangmöglichkeit für Vertretungssituationen.
Diese Aussage kollidiert mit den von Herrn Zappe im Arbeitskreis Grundschulen verteilten Zahlen zu Lehrerstunden und Stunden für Pädagogische Mitarbeiter. Leider hat er zwar zugesagt, alle Möglichkeiten durchzurechnen, aber letztlich doch nur die Variante vorgelegt, was passiert, wenn man die Einzugsgebiete unverändert lässt.
Natürlich muss eine zweizügige Schule insgesamt mehr Lehrer und mehr Stunden haben, weil sie ja auch mehr Schüler hat. Entscheidend ist aber doch, wieviel Lehrerstunden pro Schüler vorhanden sind. Da würden die Stollhammer Kinder sogar deutlich mehr Lehrerstunden bekommen, wenn die Einzugsgebiete unverändert blieben und Stollhamm eine Zwergschule wäre: Pro Schüler und Jahr stünden dann 2011/12 beispielsweise im Durchschnitt 58 Lehrerstunden zur Verfügung, in Burhave nur 51. Man muss also sehr genau hinschauen, wie man die Schullandschaft zukünftig gestaltet, um eine möglichst gute Unterrichtsversorgung (durch Lehrer!!!!) für die Schüler zu bekommen.
Wir wünschen uns eine zukunftsorientierte Schule für ganz Butjadingen, mit breitem Fächerangebot, Förderangeboten für schwächere Schüler oder auch Forderangeboten für leistungsstärkere Schüler bis hin zur optionalen Ganztagsbetreuung in der Grundschule.
Wir wünschen uns zwei solche Schulen und zwar wohnortnah.
All dies ist aber nach unserem Verständnis der vorgestellten Fakten und vor allem angesichts ständig sinkender Schülerzahlen nur durch eine Zusammenlegung der Grundschulen Burhave und Stollham zu erreichen.
Aus den oben genannten und weiteren Gründen sehen wir das anders.
Wir erhoffen uns von dem Gemeinderat eine Entscheidung, die den Interessen aller Kinder unserer Gemeinde Rechnung trägt und die nicht nur vorrangig den Erhalt der Grundschule in Stollham zum Ziel hat, deren Schließung nach den vorgelegten zukünftigen Schülerzahlen auf lange Sicht ohnehin nicht zu vermeiden sein wird.
Wir erhoffen uns vom Gemeinderat eine Entscheidung, die den demographischen Wandel nicht als gottgegeben hinnimmt, sondern aktiv gegensteuert. Lasst uns gemeinsam aus der Abwärtsspirale ausbrechen! Ein Blick auf die Bevölkerungspyramide gibt da durchaus Anlass zur Hoffnung. Familienfreundlichkeit muss auch in Butjadingen endlich ganz oben auf die Tagesordnung!
Wenn die Geburtenzahlen in der nicht absehbaren Zukunft dauerhaft kleiner als 30 Kinder pro Jahrgang sein sollten, was wir gerade verhindern wollen, dann würde auch eine einzügige Schule am zentralen Standort Stollhamm ausreichen. Das würde dann auch berücksichtigen, dass die Geburtenrate in Stollhamm viel höher ist als in Burhave.
Bei allem Verständnis und Respekt für die Stollhamer Eltern und deren Wunsch nach Erhalt ihres Schulstandortes darf nicht vergessen werden, dass wir letztlich eine Gemeinde sind und unser aller Kinder von einem starken Schulstandort mehr profitieren als von zwei schwachen.
Eben weil wir seit 1974 eine Gemeinde sind, sollten wir nach 37 Jahren endlich mal neue Wege beschreiten! Und dazu gehört auch, dass Butenländer den Erhalt der Stollhammer Schule, die nur auf Grund historischer Deals zwischen Tossenser und Burhaver Ratsherren ein so kleines Einzugsgebiet hat, nicht als “künstlich” bezeichnen! Wir haben jetzt die Chance, uns vom “Konzept der zentralen Orte” zu verabschieden und in Richtung lebens- und liebenswertes Butjadingen umzusteuern! Die bisherige “künstliche” Fokussierung auf Burhave und Vernachlässigung der anderen Dörfer hat dazu geführt, dass wir in den letzten Jahren nicht nur einen Sterbeüberschuss, sondern auch mehr Ab- als Zuwanderung hatten. Viele in Butenland sagen: “was kümmert uns Stollhamm”. Hoffentlich kommt es nicht soweit, dass der Ort erst sterben muss, damit die anderen Orte merken, was alles fehlt.
Viele Grüße
Eure Uta
(Elternvertreterin Kindergarten Stollhamm)
Frau Meiners,
ohne jetzt im Detail auf Ihre Argumentation eingehen zu wollen, möchte ich doch auf ein paar Schwachpunkte hinweisen.
So argumentieren Sie zunächst einmal unter der Annahme, daß bei veränderten Schulbezirken tatsächlich auch alle Schüler des dann neuen Schulbezirkes Stollhamm auch dort zur Schule gehen. Wie sich nun aber schon bei der ersten Informationsveranstaltung herausgestellt hat, würden sämtliche (!) Eltern der betroffenen Orte alle Hebel in Bewegung setzen, um genau das zu verhindern. Allein das wäre schon ein Punkt, der u. a. der Schulbehörde spätestens dann zu denken geben würde. Darüber hinaus wollen nicht einmal alle der wenigen verbliebenen Stollhammer Eltern ihre Kinder dort einschulen. Vielmehr hört man von allen Seiten, daß dies spätestens mit der Entstehung von Kombiklassen keine Option mehr sei.
Wenn also letztlich nicht einmal die Eltern aus Stollhamm wirklich geschlossen hinter der Schule stehen, stellt sich umso mehr die Frage, warum dann auch noch Kinder aus anderen Orten gegen den ausdrücklichen Wunsch der Eltern in diese Schule eingeschult werden sollten.
Eine kurze Anmerkung zu den Kombiklassen: Diese Art des Unterrichts ist sicher nicht neu und ich stimme Ihnen zu, daß sie auch nicht unbedingt schlecht sein muß. Im Gegenteil: Wenn man genügend gut für diesen Unterricht ausgebildete und engagierte Lehrkräfte hat, die erforderlichen Materialien zur Verfügung stehen und die Zusammensetzung der Gruppe stimmt, kann diese Unterrichtsform sogar sehr erfolgreich sein – allerdings fürchte ich (und eben nicht nur ich), daß diese Voraussetzungen in Stollhamm nicht gegeben sind. Keine der Schulen, die Sie als Positivbeispiele nennen, hat derart niedrige Schülerzahlen. Keine hat so wenig Lehrkräfte – und es ist einfach illusorisch, anzunehmen, daß sich an dieser Situation nur durch puren Willen etwas ändern lässt! Sie können doch nicht ernsthaft glauben, daß wir in den nächsten Jahren plötzlich einen Babyboom bekommen oder sich ‘Neubürger’ darum reißen, nach Stollham ziehen zu können, weil dort die Schule so gut ist! Ich habe zwei Tage lang versucht, Informationen gezielt zu dieser Schule zu finden und alles, was ich gefunden habe, waren Zeitungsberichte über schlechte Schülerzahlen, Schließung und eine katastrophale Infrastruktur in Stollhamm. Was genau soll da bitte ein ‘Neubürger’ so anziehend finden, daß er nun ausgerechnet die Schule zum Entscheidungskriterium macht?
Für einen Neubürger ist es wichtig, daß es ÜBERHAUPT eine brauchbare Schule in erreichbarer Umgebung gibt und ob die dann nun 5 km entfernt ist oder 7 ist sicher das unwichtigste Kriterium.
Fest steht jedenfalls, daß definitiv für ganz Butjadingen die Schülerzahl dramatisch rückläufig ist und auf absehbare Zeit auch bleiben wird. Wir können hier froh sein, wenn wir es schaffen, wenigstens eine Schule am Leben zu erhalten und dort eine gute Unterrichtsqualität sicherzustellen. Warum sollte man die im Bildungswesen sowieso schon viel zu knappen Ressourcen auch noch auf zwei Standorte verteilen, wenn sich daraus kein einziger Vorteil für die Schüler ergibt?
Roger